Die Methodik der TTA
  • causale Behandlung über die Veränderung der Biomechanik
  • geringe Traumatisierung
  • Osteotomie im nichttragenden Teil
  • sehr frühe Belastung
  • hervorragendes Resultat
  • die bessere Alternative zur TPLO

Die bisherigen Kreuzband Operationstechniken - mit Ausnahme der TPLO - lassen die Biomechanik des Knies weitgehend aussen vor. Sie ersetzen das Band, lassen aber die Ursache für dessen Beschädigung unberücksichtigt. 
Ein kurzer Abstecher in die Biomechanik:
Das Körpergewicht drückt mit dem Kraftvektor F1 zum Erdboden hin und würde das Knie durchbeugen , wenn nicht der M. quadriceps durch Zug auf das Patellarband mit dem Kraftvektor F2 dem entgegenwirken würde. (Abb.1)
 

 

 

Die Kräfte F 1 und F 2 sind annähernd parallel.


Eine weitere wichtige Achse ist das Tibiaplateau, was durch die Ansatzstellen des vorderen und hinteren Kreuzbandes definiert wird. Würde das Patellarband zum Tibiaplateau einen rechten Winkel bilden, gäbe es keine resultierende Scherkraft F3 (Abb.2), die den Femur nach caudal gleiten ließe. In diesem Fall wäre das Kreuzband sogar vollkommen überflüssig. Da die Achse der Kräfte F1 und F2 mit dem Tibiaplateau aber eher einen Winkel von 115 ° bilden ( Abb.2 ) muss das Abgleiten des Kondylus vom vorderen Kreuzband aufgefangen werden. Dies führt bei den betroffenen Patienten zu Mikrotraumen in der Struktur des Bandes, bis es schließlich reisst. Oft geht dem Riss aber eine längere, mitunter rezidivierende Lahmheit voraus. Die erste Operationsmethode, die diese biomechanischen Gegebenheiten berücksichtigt hat, war die Tibia Plateau Levelling Osteotomy (TPLO) von Slocum. Bei dieser Technik wird der Tibiakopf bogenförmig mit einer speziellen Säge abgetrennt und so gekippt, daß keine Kräfte mehr auf das vordere Kreuzband entstehen, die Notwendigkeit dieses Bandes also entfällt. Anschließend wird der abgetrennte Teil wieder in seiner neuen Position verplattet.

Die Methode hat sehr gute Erfolge, ist aber kompliziert und sehr invasiv. Bei der Durchtrennung können Nerven und Gefäße leicht beschädigt werden, was letztlich zu einem völligen Verlust der Gliedmaße führen kann. Die chirurgische Kleintierklinik der Universität Zürich hat eine Methode entwickelt, die noch besser die Biomechanik berücksichtigt , viel weniger invasiv ist und nur eine verschwindend geringe Komplikationsrate hat: die TTA Tibial Tuberosity Advancement. 

Auch hier ist eine Osteotomie notwendig, aber im nichttragenden Teil der Tibia! Durch Verlagern der Crista tibia nach cranial wird ein rechter Winkel zwischen den Kraftvektoren F1 und F2 und dem Tibiaplateau erreicht und somit das Kreuzband überflüssig. (Abb.3)
Der Abstand zwischen der Crista tibia und der Tibia selbst wird durch einen Abstandhalter, einen „Cage“ aus Titan gewährleistet. Eine spezielle Platte sorgt für eine stabile Vereinigung mit dem Knochen, der Hohlraum dazwischen wird mit Spongiosa aufgefüllt, die aus dem Operationsgebiet entnommen werden kann.

 


Die TTA vermindert zudem den Anpressdruck der Patella auf die Gelenkrolle und den Anpressdruck zwischen Tibia und Condylus indem der Hebelarm verlängert wird und so alle notwendigen Kräfte zur Bewegung des Kniegelenks reduziert werden. Die TPLO im Gegensatz dazu verstärkt die Kraft auf die Patellarsehne durch eine Verkürzung des Hebelarms, was zu einer Erhöhung dieser Kräfte führt. Nicht selten sind deshalb bei der TPLO Entzündungen des Patellarbandes die Folge.

Die TTA ist aufgrund ihrer Logik, ihrer geringen Invasivität und ihres unmittelbar nach der Operation einsetzenden Erfolgs , die Methode der Wahl für die Behandlung des Kreuzbandrisses.

 Literaturverzeichnis:


Montavon PM,Tepic S
Joint Surgery in Canine Hind Limb – Recent Contributions from the University of Zurich. European Companion Animal Health 2006,
www.touchbriefings.com

2: Schwandt CS, Bohorquez-Vanelli A, Tepic S, Hassig M, Dennler R, Vezzoni A, Montavon PM. Angle between the patellar ligament and tibial plateau in dogs with partial rupture of the cranial cruciate ligament. Am J Vet Res. 2006 Nov;67(11):1855-60. PMID: 17078746 [PubMed - indexed for MEDLINE]

3: Dennler R, Kipfer NM, Tepic S, Hassig M, Montavon PM. Inclination of the patellar ligament in relation to flexion angle in stifle joints of dogs without degenerative joint disease. Am J Vet Res. 2006 Nov;67(11):1849-54. PMID: 17078745 [PubMed - indexed for MEDLINE]

4: Lafaver S, Miller NA, Stubbs WP, Taylor RA, Boudrieau RJ. Tibial tuberosity advancement for stabilization of the canine cranial cruciate ligament-deficient stifle joint: surgical technique, early results, and complications in 101 dogs. Vet Surg. 2007 Aug;36(6):573-86. PMID: 17686132 [PubMed - in process]

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